Moritz, erstes Kind geboren am 27. Juni 2026
Geburtsbericht Moritz ♥
Geboren am Donnerstag 27.06.2024 3.56Uhr
Zusammengetragen im Mai 2025 auf unserer Italien Reise
Mittwoch 26.06.2024 8.30 Uhr:
Ich liege noch im Bett und spüre ein ziehen im Unterleib. Diese Nacht und ein paar Nachte zuvor hatte ich schon Senkwehen, an dem Morgen, hatte ich es dann aber schon etwas länger. Ich beschloss, die Wehen zu tracken und machte mich fertig im Bad. Ich war mit Michi über Whatsapp in Kontakt und gab ihm auch durch, dass der Wehentracker die Meldung ausgab, mich bereit fürs Krankenhaus zu machen. Der Tracker zeigte um 9.30 Uhr, Wehendauer; 2 Minuten alle 6 Minuten. Ich fand es so unglaublich schwierig zu wissen, ob das jetzt wirklich der Beginn der Geburt ist oder ob es nur wieder einmal Senkwehen waren. Die Meldung der App kam mir etwas übertrieben vor, ich fühlte noch nicht, dass es bald losgeht. Die Wehen waren im Stehen und Laufen noch gut aus zu halten. Etwa so wie kräftige Unterleibschmerzen. Um kurz nach halb 10 kam mein Papa um bei uns am Haus was zu arbeiten. Er war etwas besorgt um mich und aufgeregt, ich verschnaufte vor ihm in der Küche meine Wehen und stützte mich auf der Arbeitsplatte ab. Papa sagte: „Ja, ich hab jetzt aber nur Schaffhäs dabei, so kann ich dich doch nicht ins Krankenhaus fahren“, ich antwortete dann, dass wir doch eine Hausgeburt machen. „Achso ja stimmt“ meinte er und ging an die Arbeit. Ich ging dann auf Toilette, hatte Durchfall und etwas Blut beim Pipi machen. Das war für mich das Zeichen, dass die Geburt jetzt wirklich losgeht. Ich war wirklich froh über dieses Zeichen. Weil ich mir so schwer dabei tat, ein zu ordnen an welchem Punkt ich gerade bin. Ich hab Tine noch geschrieben und gehofft, sie würde mir sagen ob das bei mir jetzt ernst ist oder nicht, sie meinte aber es ist so individuell, sie kann es mir nicht sagen.
War nun der richtige Zeitpunkt Michi nach Hause zu holen. Oder war es nur ein Fehlalarm. Ich habe Amy ein Update geschickt, wie es mir den Morgen über schon ging. Sie hat mir geantwortet und angerufen. Sie hat mir durch ihre Worte ganz viel Ruhe und Gelassenheit vermittelt, ein paar Punkte an die Hand gegeben was ich für mich (Schmerzen im Unterleib und Rücken) tun kann, dass ich in die Badewanne könnte und mich nochmal ausruhen soll, versuchen Kräfte zu sammeln. Zu der Unsicherheit, wann ich Michi anrufen soll dass er Heim kommt, meinte sie, „schau einfach wie du dich nachher fühlst, ob du lieber noch ganz alleine bist, ob du jemanden einfach zur Sicherheit im Haus haben willst und trotzdem noch alleine sein oder ob ich gerne Michi zur Unterstützung an meiner Seite hätte“. Mit einem guten Gefühl und einem „Plan“ (in die Badewanne zu gehen) haben wir unser Telefonat beendet.
Ich entspannte mich im warmen Wasser bei meiner Entspannungsplaylist und Trackte nebenher weiter die Wehen. Sie gingen etwas zurück aber blieben regelmäßig da. Was für mich wieder ein Zeichen war, dass es wirklich die Geburt ist.
Dann war für mich klar, ich möchte Michi bei mir haben. Ich schrieb ihm eine halbe Stunde später war er da♥
Nach der Badewanne habe ich nochmal mit Amy telefoniert. Sie konnte an meiner Atmung oder besser gesagt, wie ich geschnauft habe während der Wehe erkennen, dass es für sie noch nicht an der Zeit war zu kommen. Sie sagte mir nochmal, was Michi zur Unterstützung machen kann (unteren Rücken massieren, mit Atmen und Tönen). Amy legte uns ans Herz, noch etwas ins Bett zu kuscheln und versuchen aus zu ruhen. Sie sagte bei jedem Telefonat, dass sie jeder Zeit ist zu kommen, wir sollen uns melden, sie möchte uns unsere Ruhe lassen. Michi kam, traf die letzten Vorbereitungen (Bett mit Malerflies und Leintüchern usw..) Von 13-15 Uhr haben wir uns im Bett ausgeruht. Ich musste immer wieder aufstehen, weil ich bei den Wehen mehr Schmerzen hatte im Liegen. Ich wurde etwas unruhiger und wusste irgendwie nicht, was ich gerade Hilfreiches für mich tun kann. Michi stand bei jeder Wehe hinter mir, hielt mich an den Armen oder streichelte sie oder massierte meinen unteren Rücken und veratmete die Wehen mit mir. Das war soooo Hilfreich für mich. Ich sagte immer, wann sich eine neue Wehe ankündigte und Michi ging in Position. Um halb 7 hat Michi Amy angerufen und gesagt, dass die Intensität der Wehen zunimmt und es uns lieber wäre, dass Amy kommt. Eine Stunde später war Amy da.
Ich hatte das Gefühl, die Wehen besser zu überstehen, wenn ich mich mit den Armen irgendwo abstützen kann. Michi baute das Bügelbrett im Schlafzimmer auf, es war optimal von der Höhe. Michi und ich dachten fest, dass unser Baby an diesem Tag noch zur Welt kommt, ich hatte schon ordentlich Wehen. Amy maß die Herztöne des Babys und untersuchte mich. Es tat mir sehr weh, da der Muttermund zu dem Zeitpunkt nur einen Zentimeter geöffnet war (das hat mir Amy aber natürlich aus taktischen Gründen nicht gesagt). Das war auch gut so. Ich wäre nach 11 Stunden Wehen (allerdings kann man die ersten 1-3 Stunden Wehen nicht wirklich als schmerzhaft bezeichnen) ziemlich enttäuscht gewesen, wenn ich erfahren hätte, dass das alles nur 1 cm geöffnet hat. Amy empfahl uns wieder ins Bett zu liegen und aus zu Ruhen/ zu entspannen. Wir dachten aber eigentlich, dass es jetzt los geht und ich wollte auch gar nicht mehr liegen. Ich empfand es als Unangenehm, während der Wehe zu liegen. Ich versuchte es trotzdem, weil ich Amy absolut vertraute und wusste, dass sie erfahren ist. Amy war unten am Esstisch.
Ich konnte/wollte nicht mehr viel reden und sparte mir meinen Atem für die Wehen auf.
Ich gab nur noch Kurzbefehle 😊 „Michi schnell“ „trinken“ „dunkel draußen“… Ich fühlte mich dabei auch echt schlecht, weil ich so böse war und Michi trotzdem immer bei mir war (Michi fand das überhaupt nicht schlimm). Gegen 21.30 Uhr bin ich nochmal in die Dusche, warmes Wasser über Rücken und Bauch. Ich fand die Wehen zu diesem Zeitpunkt echt krass intensiv und jetzt noch regelmäßiger. Ich fragte Amy immer wieder was ich noch für Positionen einnehmen könne und was ich tun kann, damit es voran geht. Ich habe es geliebt und fast gar danach gesucht, Bestätigung und Motivation zu erhalten „du machst das super Eva“ tat so gut. Michi und ich wussten mittlerweile nicht mehr wie viel Uhr es ist (auf einmal war es dunkel). Wir waren einfach mit veratmen beschäftigt. Ich tönte mit zunehmenden Schmerzen auch immer mehr, das half mir total!!! Amy gab mir zum Wehe veratmen noch einen Tipp. Ich soll sobald der heftige Schmerz weg ist entspannt tönen und das schon als Pause ansehen. So machte ich die Pause zum ausruhen automatisch länger.
So ein wertvoller Tipp! Michi richtete schnell (da ich ihn ja wieder bei mir brauchte) etwas Vesper zur Stärkung. Immer mal wieder nahm ich einen Happen zu mir, nicht weil ich Hunger hatte, sondern weil ich wusste ich brauche Kraft und mein Kreislauf wird es mir danken. Irgendwelche Positionen (Vierfüßler, ein Bein nach oben…) waren unangenehm für mich. Fazit: Ich habe mich in unserem Obergeschoss super wohl gefühlt, geschützt, da nicht einsehbar von außen. Ich lief oder stützte mich am besten ab. Wärmflasche tat mir bei den Rückenschmerzen sehr gut und entspannte alles etwas. Ich habe sooo einen üblen Druck nach unten verspürt, war manchmal fast nicht aus zu halten. Irgendwann habe ich stehend im oberen WC Fruchtwasser verloren, es lief wie ein Rinnsal, für mich warm und sehr angenehm. Ich hatte in der Zwischenzeit auch das Geburtsnachthemd von Meli Häusler an.
Sitzend auf dem WC fand ich es ab und zu etwas angenehm. Wir sagten immer wieder Sätze wie „ich habe Superkräfte“ „Weich und Weit“ Michi motivierte mich sowieso ganz oft! Wir sagten, „Baby du darfst dich jetzt gerne auf den Weg machen, wir erwarten dich“ Wir hielten uns im oberen Stock zwischen Schlafzimmer und WC auf. Unten im Wohnzimmer zu gebären, war auch mal eine Überlegung, war dann aber raus für mich, weil es helllichter Tag war und ich mich oben geschützter gefühlt habe.
Ca. 23 Uhr, zweite Untersuchung, Amy meinte, Momentan alles gut. Sie hat mir natürlich wieder nicht gesagt, wie weit der Muttermund geöffnet ist (8cm), sagte aber, dass sie nun ihre Kollegin anruft, damit sie zur Unterstützung kommt. Ich war guter Dinge, weil ich wusste, wenn die zweite Hebamme kommt, geht es nicht mehr lange bis zur Geburt. In der Nacht war es sehr warm und wir hatten die Fenster auf, ich habe getönt, weil es mir half, dabei war es mir völlig egal ob mich jemand hört oder nicht. Ich hatte andere „Probleme“ 😊 Simone hat in der Nacht noch das Gewächshaus zu gemacht und mich gehört, Nachbarin Monika auch. Aber beide hatten in dem Moment voll Mitgefühl mit dir.
Ca. 0 Uhr Saskia, die zweite Hausgeburtshebamme kommt dazu. Ich hatte davor und auch noch als Saskia da war immer die Gedanken, wenn eine Wehe kam „Fuck, ich schaff das nicht mehr lange, ich muss bestimmt bald ins Krankenhaus“. Ich dachte immer ich mache etwas falsch, weil es so lange ging aber es hat eben seine Zeit gebraucht. Amy hat immer wieder die Herztöne vom Baby gemessen, hat sich hierzu ganz unauffällig und sehr achtsam verhalten. Die ganze Geburt über war sie so respektvoll, achtsam und feinfühlig zu mir und Michi. Sie hat Michi angeleitet wie er mir am besten helfen konnte. Er hat sich so gebraucht und gut eingebracht gefühlt. Amy hat sich immer im Hintergrund aufgehalten, war sofort zur Stelle und absolut mit dem Kopf bei der Sache.
Sie und Saskia waren ein eingespieltes Team und haben sich abgesprochen und mir weitere gute Positionen gezeigt. Diese waren nicht immer ganz angenehm aber haben uns schlussendlich zum Ziel geführt. Ich habe irgendwann das Gefühl gehabt mitschieben zu müssen. Ich hatte aus Filmen die Vorstellung, dass die Hebamme dann sagt „Nein, nicht drücken“. Amy sagte aber ja, ich dürfe mitschieben, soweit es mir guttut. Es hat mir Erleichterung gebracht und ich konnte was tun.
Irgendwann gings dann in die heiße Phase, wir waren alle vier im Schlafzimmer auf dem Boden. Amy legte mir regelmäßig warme Waschlappen auf den Damm, das war unglaublich gut und angenehm. Ich trank Cola (trinke ich normal nie)!!! Weil ich merkte, dass meine Kräfte nachließen. Alle motivierten mich, die Hebammen leiteten hilfreiche Positionen für die Kopfgeburt ein. Es war ein extremer Schmerz, ein wahnsinniges Brennen und die Kopfgeburt ging echt lange. Dann war der Kopf da. Ich habe mich sofort im Vierfüßler positioniert, wie Amy zuvor gesagt hatte und dann war er da. Unglaublich, unser Baby, Michi hat direkt geweint und ich war erstmal erleichtert die Geburt geschafft zu haben. Dann hatte ich ihn im Arm und nach 20 Minuten ca. kam die Plazenta ohne Probleme raus. Dann waren die Hebammen auch erleichtert. Nachdem ich sicher mit Baby im Bett platziert war, durfte Michi mit Amy die Plazenta untersuchen und Saskia hat sich um mich und Baby gekümmert. Saskia und Amy haben am Esstisch unten noch einige Regularien geklärt während wir glücklich und überwältigt und ein bisschen fertig die Kuschelzeit mit Moritz/ Baby genossen.
Amy und Saskia haben meine Verletzungen im Bett untersucht. Sie waren sich nicht sicher ob Dammriss 2. Oder 3. Grades. 2. Grades könnten sie nähen aber da es nicht eindeutig war, gaben sie mir die Empfehlung lieber ins Krankenhaus zu gehen. Das war voll schlimm für mich, jetzt habe ich es zu Hause geschafft und musste nun doch noch ins Krankenhaus ohne Michi und Moritz ;(. Amy ist mitgegangen, wir mussten ewig warten. Ich wollte eigentlich nur heim. Die Ärztin war sehr unsympathisch, unfreundlich und nicht einfühlsam. Dieses Machtverhältnis war sooo schlimm für mich, ich war auf sie angewiesen und sie hat mich nicht miteinbezogen und hat unfreundlich auf meine Fragen und Bedenken geantwortet. Sie und die anderen Hebammen haben es mich spüren lassen, dass sie es nicht cool finden, dass ich eine Hausgeburt hatte und nun ins Krankenhaus zum Nähen komme. Amy hat meine Hand gehalten und war die ganze Zeit mein sicherer Hafen. Als die Ärztin fertig war und das Zimmer verließ musste ich stark weinen und konnte nicht mehr aufhören, weil ich nicht verstehen konnte wie man so unmenschlich mit einer super frisch gebackenen Mama umgehen kann. Die Ärztin arbeitet auf der Gynäkologie, sie muss doch annähernd wissen was in einer Frau wie mir vorgeht. An diesem Teil der Geburt hatte ich noch sehr lange zu knabbern. Wieder zu Hause angekommen, nach gut drei Stunden, war ich Gott froh wieder mit meinen zwei Männern vereint gewesen zu sein und nun wirklich alles geschafft zu haben.
Ich war sooo unglaublich stolz auf mich und Michi auch auf mich ♥